Theaterkritik: “Eins auf die Fresse”

von Franka Siemann

Eigentlich sind Lana und Minnie Freundinnen. Doch warum erpresst Minnie Lana dann und klaut ihr die Turnschuhe. Geht es um Coolness? Geht es darum, Lucky, dem Boss der Clique zu imponieren?

In dem Stück „Eins auf die Fresse“ von Rainer Hachfeld, das schon seit 1996 ein Dauerbrenner am Grips-Theater ist, geht es um nach wie vor aktuelle Schulprobleme wie Ausgrenzung, die Suche nach der eigenen Identität und die Schwierigkeit, zu sich und den eigenen Gefühlen zu stehen. Dies behandelt die Geschichte anhand des Selbstmordes des 14 jährigen Matze. Dadurch wird das Stück als Krimi eingestuft. Die alltäglichen Probleme treten nicht nur in der Schule auf, sondern überwiegend zuhause.

Auf der Suche nach der Erklärung des Selbstmordes von Matze stoßen die Theaterfiguren auf viele Indizien, unter anderem auch in Matzes Familie. Sie finden heraus, dass sein Vater ihn geschlagen hat und aus einem von ihm angefertigten Zeichenbuch, dass er unter dem Lehrer Ratzenauer leiden musste. Bei einem Gespräch zwischen Schuldirektor und Matzes Mutter werden ihr die Indizien vorgelegt. Dabei ist der Schulleiter der festen Überzeugung, dass Matzes Lehrer immer fair gegenüber seinen Schülern ist. Doch auch Matzes Mutter leugnet das Schlagen der Kinder durch ihren Mann. Derweil kommt ein neuer Junge, Sven, in die Klasse. Dieser wird ebenfalls von Lucky, Minnie und anfangs auch von Lana gemobbt. Im weiteren Verlauf der Handlung werden neue Indizien zum Selbstmord aufgedeckt und Lana beginnt sich von Lucky und Minnie abzuwenden. Sie fühlt sich immer mehr zu Sven hingezogen. Die zwei werden ein Paar.

Auf einmal findet Lucky zufällig die Pistole, die Matze ihm damals besorgt hatte, um ihm zu zeigen wie stark und mutig er ist. Lucky nimmt sie mit in die Schule. Bei einer Rangelei zwischen ihm und Sven löst sich ein Schuss. Die Kugel trifft keinen, doch die Mitschüler sind der Meinung, dass Lucky absichtlich auf Sven geschossen hat. Sven ist trotz der ganzen Gemeinheiten gegen ihn ehrlich und er gibt zu, dass Lucky nicht auf ihn gezielt hat. Lucky ist ihm dafür sehr dankbar, doch trotzdem bekommt er eine saftige Strafe. Minnie unterstützt Lucky weiterhin und auch sie kommen zusammen.

Das Erwachsenwerden der Jugendlichen spielt eine wichtige Rolle. Zuneigungen und Freundschaften untereinander werden deutlich und verändern sich im Laufe des Stückes auch wieder, wie im oben genannten Beispiel zwischen Lana und Minnie, die an einem Tag beste Freunde sind, und sich am nächsten Tag nur anzicken. Doch zum Ende hin zeigen sich die wahren Freundschaften, wie anhand des oben beschriebenen Szenenausschnittes, bei dem am Ende doch noch alle zueinander halten.

Das ganze Stück wird durch ein einfaches aber realistisches Bühnenbild, das mit reduzierten Mitteln dargestellt wird, begleitet. Die Kulisse wechselt in Sekundenschnelle den Handlungsort der Szene und gibt dem Zuschauer das Gefühl, in die Handlung mit einbezogen zu sein. Durch verschiedene Höhen der Bühne werden Räume und Abgrenzungen gekennzeichnet sowie das Verhältnis zwischen Innenraum und Außenraum dargestellt. Auch viele Requisiten, wie zum Beispiel Wohnaccessoires, Fahrradständer, sowie Zäune und echte Zigaretten tragen zur wahrheitsgetreuen Darstellung bei.