Theaterkritik: “Klasse Klasse” oder “Eins auf die Fresse”?

von Maria Tragousti

Der Mikrokosmos Schule und die ihm eigenen Klassenhierarchien – vollkommen verschieden inzeniert: “Eins auf die Fresse” von Rainer Hachfeld am Grips-Theater und “Klasse Klasse”, eine Produktion des Theater Strahl.

Bei “Klasse Klasse“ im Jugendtheater Strahl werden uns zahlreiche Charaktere vorgestellt, die in der Schule aufeinander treffen könnten. Vom Emo-Gothic über den klassischen Streber bis hin zum dunkelhäutigen musikbegeisterten Mädchen – kein Typ wird ausgelassen.

Was das Stück auszeichnet sind nicht nur die perfekt gestalteten, charakteristischen Masken, die das wahre Gesicht der Schauspieler über das ganze Stück hindurch bedecken und eigenhändig für das Stück gefertigt wurden, sondern die besondere und äußerst ungewöhnliche Begleitung des Stückes: Denn bei “Klasse Klasse” wird nicht gesprochen, nein, Europameister im Beatboxing “Mando” gibt hier den Ton an! So kann man sich an den Geräuschen von Kaugummi, Wassertropfen und Darth Vader-Stimmen erfreuen – und das alles aus Mandos talentiertem Mund. Die Schauspieler_innen amüsieren einen mit übertriebenen Gesten und perfekt kontrollierten Körperbewegungen.

Alles in allem ein energiereiches Stück, das Lust auf den ein oder anderen Beatbox-Workshop macht.

“Eins auf die Fresse” vom Grips-Theater thematisiert Mobbing und Liebe in der etwas zu groß gewachsenen 8b. Das Stück wird seid 1996 am Gripstheater gezeigt, wurde aber natürlich zeitgemäß verändert. Was man dabei beobachten kann ist, dass in Schulen Gewalt immer noch ein wichtiges Thema ist.

Ob 1996 oder 2014, Lehrer und Schulleiter interessieren sich meistens nicht für die psychischen Probleme ihrer Schüler.

Das Stück handelt von den Auswirkungen, die der Tod des Schülers Matze hat. Jeder probiert ihn zu vergessen und den Alltag weiterzuführen, doch nach und nach werden die verschiedenen Beziehungen, die mit Matze geführt wurden, aufgedeckt.

Wer war an seinem Tod schuld? Der gewaltätige Lukas Erbach, auch Lucky genannt, der in seiner Klasse jedem Schwächeren seine Macht demonstrieren muss? Oder doch die zwei Mitläuferinnen Minni und Lana? Fast wie ein Krimi zeigt uns das Stück, wie wichtig die Erziehung vor allem in der Pubertät ist, und das mit viel Humor und so einigen skurrilen Situationen. Die Schauspieler, insgesamt sieben, übernehmen mehrere Rollen, wobei sie den Charakter der jeweiligen Figur immer sehr gut darstellen.  

Beide Stücke spielen in einer Schule. Auf dieser Ebene treffen sie sich, verlaufen aber in total verschiedene Richtungen.

Wer Lust auf ein bisschen mehr Geheimnisse und Krimis hat und auch eine gewisse krimihafte Spannungskurve erwartet, sollte sich auf jeden Fall “Eins auf die Fresse” ansehen.

Wer ein Fan von Masken ist und gerne laut im Theater lacht und vor allem wer Beatboxing Fan ist, muss “Klasse Klasse” gesehen haben.